Alte Freunde

Der Besuch von alten Freunden, die man ungefähr ein Jahr nicht mehr gesehen hat, führt in einem vinophilen Haushalt unweigerlich dazu, dass ein paar mehr Weine als normalerweise üblich, ihren Weg auf den Tisch und ins Glas finden. Schließlich gilt es einige Geburtstage nachzufeiern, private und/oder berufliche Erfolge zu begießen… mit Sicherheit wird man wenigstens auf die alten Zeiten anstoßen wollen! Nicht jeder getrunkene Tropfen muss hier erwähnt werden – es gibt sie, diese Weine, die einfach nur Spaß machen, zu einem geselligen Abend beitragen, ohne sich zwischen die Gesprächspartner zu drängen und die Hauptrolle einnehmen zu wollen. Zwei der getrunkenen Weine haben es allerdings geschafft, in unserer kleinen Runde Aufmerksamkeit zu erregen und die Gedanken zumindest für einige Zeit auf weinselige Bahnen zu lenken.

Pinot Blanc


Das waren zum einen der „Pinot Blanc – Heideboden“ 2011 von Anita und Hans Nittnaus aus Gols im Burgenland. Der Heideboden ist eine flache, fruchtbare Großlage am Neusiedler See – nahe des Ostufers bewirtschaften Anita uns Hans Nittnaus unteranderem die Lage „Kellern“, von der dieser Weissburgunder aus biologischen Anbau stammt. Im Glas ein sattes Strohgelb mit fast goldenen Reflexen, Zitrus-Aromen und ein leichter Haselnuss-Anklang in der Nase und am Gaumen, als auch ein straffer und frischer aber doch stoffiger Körper, im Abgang getragen von Würze und Grapefruitaromatik. Daumen hoch! Sehr trinkfreudig und doch hat man ein bißchen was zu tun mit dem Glas.

Tempranillo

Der zweite Wein kommt aus einer ganz anderen Ecke und zwar aus dem spanischen Anbaugebiet Ribera del Duero. Es ist ein 100% Tempranillo, der „Villacampa Del Marqués Roble“ 2010 von „Cepas y Bodegas“. Die Sommelière Maite Geijo führt das in Valladolid ansässige Weingut seit 1992, setzt auf strikte Ertragsbegränzung und sanfte Weinbergspflege. Die Trauben für den „Villacampa“ stammen von 60 Jahre alten Rebstöcken, der Wein reift 6 Monate im französischen Eichenholzfässern. Tiefes, dunkles Purpurrot mit violetten Reflexen, Aromen von Brombeeren und Schokolade, gemischt mit Holz, Rauch, Gewürzen, Kaffee. Sehr vielschichtig aber stimmig. Dazu samtige Tannine, nochmals Bitterschokolade am Gaumen, eine hohe Extraktsüße, gut abgefangen von einer milden Säure – kraftvoll, konzentriert und komplex sind hier meine Schlagwörter. Hervorragend zu würzigen Fleischgerichten und spanischen Tapas und sicher auch noch in ein paar Jahren gut, wenn nicht besser!

 

 

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Kategorie: Allgemein, Ausgetrunken Kommentieren »

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