Domäne Wachau

Die Sonne lacht, die Vögelchen zwitschern, die Forsythien blühen, Weidenkätzchen in der Vase… und ich ertappe mich immer öfter dabei, anstatt zum molligen Roten zum gut gekühlten Weißwein zu greifen. Sichere Anzeichen dafür, dass der Frühling in den Startlöchern steht.

Um meinen Vorrat an Weißen für die nahenden lauen Abende aufzustocken und dabei wieder etwas Neues kennenzulernen, begebe ich mich über den steirischen Tellerrand hinweg und schaue mir die wunderbaren Weine der Wachau an. Die bezaubernde Landschaft an der Donau in Niederösterreich ist Weltkulturerbe und Heimat über die österreichischen Grenzen hinweg berühmter Rieslinge und Grüner Veltliner. Ein perfekter Mix aus Urgesteinsböden, der pannonischen Hitze aus dem Osten, dem kühlenden Kontinentalklima aus dem Norden und dem temperaturausgleichend wirkendem Donaustrom ergibt hocharomatische Weine, die in 3 geschützten Qualitätskategorien ausgebaut werden. „Steinfeder“ ist ein leichter, frischer, max. 11,5 %-er Wein. Der „Federspiel“ bewegt sich im Mittelfeld bei 11,5-12,5% Alk. Die Königsklasse aus den besten Lagen und mit den langlebigsten Weinen ist der „Smaragd“ mit über 12,5% Alkohol.

Da auch in der Wachau, wie in der Weinwelt üblich, die Auswahl schier unendlich scheint, habe ich für meine ersten Erkundungen die „Domäne Wachau“ ausgewählt – eine renommierte Weißweingenossenschaft, die für terroirspezifische Weine steht. Der „Master of Wine“ Roman Horvath und der Kellermeister Heinz Frischengruber führen das Weingut qualitätsbewusst und innovativ, die Vinifizierung wird jeder der vielen Einzellagen gerecht und bringt ein breites Spektrum an Weißweinen hervor.

Vier Weine aus der spaßmachenden Preiskategorie habe ich mir genauer angeschaut:

Domäne Wachau Grüner Veltliner

Grüner Veltliner Steinfeder 2011 „Katzensprung“:

Die Trauben für den „Katzensprung“ werden aus verschiedenen steilen Terrassenweingärten rund um Dürnstein und Loiben selektiert. Der Wein zeigt sich im leuchtenden, hellen Strohgelb mit einer fein aromatischen Nase mit fruchtig-blumigen Anklängen an grünen Apfel, Hollerblüten, Limette und einer leichten aber nicht besonders ausgeprägten Würze. Die Säure ist erfrischend und einnehmend und hinterlässt ein saftiges Gefühl. In der Länge bleibt der Wein bis zum Schluss frisch und fruchtig, hier kommt auch der Veltliner-Pfeffer nochmal zur Geltung. Mit 11.5% ein „Easy-Going“  zu vielen sommerlichen Gerichten.

Grüner Veltliner Federspiel 2011 „Himmelstiege“:

Die „Himmelstiege“ war ursprünglich eine bekannte Dürnsteiner Steillage. Heutzutage wachsen die Trauben für die Weine der Himmelstiege-Serie auf mehreren exponierten und steilen Steinterassen in Dürnstein und Loipen. Wiederum ein Strohgelb, allerdings satter und in der Bewegung behäbiger. Die Nase hat eher etwas fruchtig-herbes, hier rieche ich Grapefruit und reife Stachelbeeren, aber auch weissen Pfeffer und vegetabile Aromen vom grünen und gelben Paprika. Im Mund läuft die Sache rund, der Körper ist mittelkräftig und bekommt durch die lebendige Säure Struktur. Die Säure macht dann im Abgang einer herb-pfeffrigen Würze Platz, die lange nachklingt. Der Wein hat Pfeffer und 12, 5% Alkohol und verträgt Gebackenes, wie Hendl oder Wiener Schnitzel.

Riesling Domäne Wachau

Riesling  Federspiel 2011 „Himmelstiege“:

Noch ein Wein, der himmlischen Genuss verspricht. Diesmal in der Riesling Variante mit 12,5% Alkohol zeigt sich die Himmelstiege strahlend strohgelb im Glas, von eher mittlerer Farbtiefe. Erstaunlich offen und zugänglich die Nase mit Aromen nach gelbem Steinobst und Zitronentarte, als auch einer dezenten exotischen Süße. Am Gaumen findet sich der Pfirsich wieder, die Säure ist gut eingebunden, bringt aber doch Struktur ins Glas, die frisch nachklingt. Unkomplizierte, extrem fruchtige Trinkfreude, durch und durch harmonisch.

Riesling Federspiel 2010 – Loibenberg :

Der Loibenberg ist eine 420 m hohe Erhebung im Osten der Wachau und die größte Einzellage der Region, verwöhnt vom heißen pannonischen Klima. Von dort stammen die Trauben für diesen Wein, der intensiv, fast schon golden aus dem Glas strahlt und eine schöne Schlierenbildung bei 12,5% Alkohol aufweist. Die Nase lässt mich erstmal ratlos zurück, liegt doch unverkennbar eine leichte Petroleum-Note über den sonstigen mineralisch-fruchtigen Aromen, an die ich aber leider gar nicht genauer rankomme, so sehr lenkt mich der für mich eher unangenehme Geruch ab. Kann das sein – bei dem zarten Alter? Das von Liebhabern durchaus gesuchte Aroma mancher reifer Rieslinge hätte ich hier nicht erwartet. Am Gaumen spüre ich eine kurze Würze, die Säure ist meiner Vorliebe nach zu mild um dem Wein ein gutes Gerüst zu verpassen. Das ganze wirkt auf mich etwas eindimensional, vielleicht kann der Wein gepaart mit Essen – Fisch, Meeresfrüchte – mit weiteren Nuancen aufwarten… aber wirklich riechen  – und das soll jetzt wirklich nur meine ganz subjektive Einstellung widerspiegeln – kann ich den nicht!

 

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Kategorie: Allgemein, Ausgetrunken 2 Kommentare »

2 Reaktionen zu “Domäne Wachau”

  1. Roman H DW

    riesling federspiel vom loibenberg ist sicherlich noch verschlossen (auch erst eine woche davor gefüllt), sollte aber die anderen rieslinge bis sommer überholt haben.
    alles gute für den blog!
    roman h

  2. Natalia

    Danke für den Hinweis- ich kam leider noch nicht dazu nachzutragen, dass schon ein paar Stunden später das unangenehme Aroma verflogen war und der Wein durchaus noch zu einem schönen Abend beigetragen hat :-)


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