Stierblut?

Was wie eine geheime Zutat für Hexerei und Zaubertränke anmutet, ist in Wirklichkeit der deutsche Begriff für eine Rotwein-Cuvée aus dem ungarischen Weinbaugebiet Eger im Nordosten des Landes. Der Name, des im Original besser als „Egri Bikaver“ bekannten und auf Grund so mancher gesichtsloser Billigware als „Schädelspalter“ berühmt-berüchtigten Weines, geht zurück auf das Jahr 1552 und die Türkenbelagerung von Eger. Die Feinde staunten nicht schlecht beim Anblick der rotweinbefleckten Magyaren und zogen schließlich furchterfüllt ab, da sie glaubten, die Ungarn würden zur Kräftigung Stierblut trinken. So will es die Legende. Fakt ist, dass die aus mindestens 3 Sorten bestehende Cuvée – darunter meist Kadarka, Kekfrankos, Kekoporto, Cabernet Sauvignon oder Zweifelt – in der Regel sehr kraftvoll und tiefdunkel ist, aber ansonsten Gott sei dank nicht im geringsten an Stierblut erinnert. Heute werden dank gesetzlicher Regelungen zur Herkunft, Ertragsmenge und Ausbau immer mehr verlässliche Qualitäten produziert – der „Egri Bikaver“ reicht langsam wieder an seine einstige Größe heran. So wurde mir die Situation zumindest im „Haus des ungarischen Weines“ in Budapest dargestellt und der „Egri Bikaver 2007“ aus der Estok Kellerei wärmstens empfohlen. Höchste Zeit also das ein oder andere Schädelspalter-Vorurteil an den Hörnern zu packen!

Stierblut


Was ich auf dem ungarischen Etikett noch entziffern kann ist, dass es sich um einen DHC Eger (Districtus Hungaricus Controllatus) handelt, also einen Wein aus kontrollierter Herkunft. Zudem prangt eine Silbermedaille eines ungarischen Wettbewerbs auf der Flasche. Meine Ungarisch-Kenntnisse reichen leider nur für diese vagen Informationen, zur genauen Zusammensetzung der Cuvée und zum Ausbau weiß ich nichts zu sagen – eventuell spricht ja der Wein für sich:

Ein leuchtendes, nicht mehr ganz so tiefes Rubinrot mit – für 5 Jahre – schon einem deutlichen Wasserrand. In der Nase erstmal frisch, betont fruchtig nach Kirschen, Pflaumenmus, leichte Schoko-Noten – die von der bitteren Sorte. Der Wein entwickelt sich schön im Glas und gibt nach und nach Aromen von süßen Gewürzen – Nelke, Zimt – frei, über allem sehr stark die Kirschfrucht. Am Gaumen straff, schlank, die Kirsche spielt hier wieder die erste Geige, die Säure ist voll da, Tannine halten sich bedeckt. Der Gaumen wirkt etwas eindimensional und leer. Er kann nicht ganz das halten, was die süßlich-würzigen Aromen beim Reinschnuppern ( und das ausgiebig und immer wieder gerne) versprechen. Alles in allem erinnert mich dieser Wein stark an einen einfachen aber ehrlichen und guten Zweigelt und auch den Blaufränkisch (Kekfrankos) meine ich in seiner Würze wieder zu erkennen – rustikal gut!

Egri Bikaver

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Kategorie: Allgemein, Ausgetrunken Kommentieren »


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