Wein ABC

Ich will sie alle: den Lagrein, den Vernatsch, den Kerner und spätestens beim Rosenmuskateller und Gewürztraminer müsste auch den Unkundigen klar sein, dass es sich nicht etwa um Fernsehmoderatoren handelt, sondern um teils autochthone Rebsorten eines kleinen aber feinen Weinbaugebietes – dem Südtirol. Demnächst werde ich Gelegenheit haben mich vor Ort durchzuprobieren, z.B. beim Gewürztraminer-Strassenfest in Tramin, im Kloster Neustift bei Brixen und der Abtei Muri-Gries in Bozen.

Bis dahin ein kleines informatives Wein-ABC zum Thema.

S wie Südtirol:

Südtirol ist das nördlichste Weinbaugebiet Italiens und erstreckt sich zwischen Alpen und Dolomiten von Brixen im Osten bis Bozen und weiter südlich bis Salurn als auch von Bozen bis Meran und bis ins westlich gelegene Vinschgau. Das kleine, nur etwa 5.300 ha Rebfläche betragende Anbaugebiet wird in 7 Unterregionen eingeteilt: das Unterland, Überetsch, Bozen und Umgebung, Mittleres Etschtal, Meran und Umgebung, Vinschgau und das Eisacktal. Auf jede Region genauer einzugehen würde wohl den Rahmen sprengen. Den besonders Wissensdurstigen kann ich dafür die offizielle, sehr ausführliche und übersichtliche Seite von  „Südtirol Wein“ ans Herz legen.

Soviel sei aber gesagt: Südtirol kann auf eine etwa 3.000-jährige Weinkultur zurückblicken, heute produzieren 5.000 Betriebe etwa 350.000 hl Wein im Jahr, 2/3 davon entstehen in zukunftsorientierten, qualitätsbewussten Genossenschaften. 98,8% der gesamten Weinfläche stehen mittlerweile unter DOC-Schutz. Dem relativ milden alpin-kontinentalem Klima mit Anbaulagen von bis zu 1.000 m ü.d.M. und der Vielfalt an unterschiedlichen Bodentypen, sind sehr finessenreiche, frische Weissweine, in den südlichen Anbaugebieten auch komplexe Rotweine zu verdanken. Dabei sind als weisse Leitsorten vor allem der Weissburgnder, Sauvignon Blanc und der aus Tramin stammende Gewürztraminer, einer der gefragtesten Weine der Region, hervorzuheben. Aber auch Grauburgunder und Chardonnay – z.B. in internationaler Stilistik in Holz ausgebaut – Riesling, Sylvaner, Müller-Thurgau und Kerner, eine deutsche Neuzüchtung, werden erfolgreich angebaut. Die roten Sorten sind auch reich vertreten – neben dem, fast burgundische Qualitäten hervorbringendem Blauburgunder, sind es vor allem zwei autochthone Sorten, die auf sich aufmerksam machen: der Vernatsch, ein leichter, gerbstoffarmer Wein, der je nach Herkunft unter den Namen St.Magdalener, Kalterersee und Meraner vermarktet wird und der Lagrein, der im Bozner Bezirk Gries die besten Ergebnisse erbringt – als dunkelbeeriger, komplexer und samtiger Roter. Eine Besonderheit ist der Südtiroler Sekt – die Grundweine für den nach der Méthode Traditionelle hergestellten Schaumwein, haben in dem raueren nördlichen Klima, die optimalen Bedingungen, eine Säure zu entwickeln, die auch der zweiten Gärung und einer 15-monatigen Reifung standhält und den Sekt frisch und spritzig macht. Nicht zu vergessen die Dessertweine aus dem seltenen Rosenmuskateller und dem Gewürztraminer.

Sehr interessant und z.B. bei uns in Österreich nicht mehr anzutreffen, ist die Art, in der die Reben erzogen werden, nämlich in der traditionellen Pergel-Erziehung. Die Reben bilden eine Pergola – durch den Weingarten spazierend läuft man unter einem Dach aus Reben und Trauben, sehr schön. Nach und nach wird aber auf die effizientere Drahtrahmen-Erziehung umgestellt.

Ach, ich fürchte eine Woche wird wohl kaum ausreichen, sich auch nur halbwegs durch die Produktpalette durchzuarbeiten!

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Kategorie: Allgemein, Wein ABC Kommentieren »


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