Weinbau in Polen

Nächste Woche geht es auf Stippvisite nach Warschau – Zeit sich mit dem Weinbau in Polen zu beschäftigen. Mooooment – in Polen? Weinbau? Bier – natürlich, Wodka – selbstverständlich. Aber Wein? Tatsächlich schweigen sich meine schlauen Bücher allesamt zu dem Thema aus. Polen existiert praktisch nicht auf der europäischen Weinkarte. Fakt ist aber, dass es den polnischen Weinbau gibt, mit sogar bis ins 14. Jahrhundert reichenden Wurzeln – die Welt hat davon allerdings noch nicht viel mitgekriegt. Zum Glück gibt es das Internet – das bringt etwas Licht ins Dunkel und hilft mir, hier für euch einen kleinen Umriss des polnischen Weinbaus zu gestalten.

Seitdem Polen im Jahr 2005 von der EU offiziell als Weinland anerkannt wurde, kann man von einer Renaissance des Weinbaus sprechen. Überall in den Weinbaugebieten schießen Weingärten aus dem Boden, neue Betriebe werden gegründet, Lage um Lage erschlossen, gefördert von Brüsseler Geldern. Mittlerweile wird wieder auf rund 500 ha Wein angebaut und es werden von Jahr zu Jahr mehr. Hauptsächlich im Lebuserland rund um Zielona Gora (Grünberg), wo schon im Jahr 1314 die ersten Weinreben gepflanzt wurden. Aber auch andere Gebiete entdecken ihr Weinbau-Potenzial – die deutliche Erderwärmung der letzten Jahrzehnte macht es möglich – in Kleinpolen am Tatra-Gebirge, den Vorkarpaten in Südosten, in Niederschlesien rund um Breslau und sogar im Norden in den Masuren.

Vor allem aber Zielona Gora genießt Ansehen in der lokalen Weinszene – das jährlich stattfindende, traditionsreiche Weinfest „Winobranie“, bei dem seit 2009 endlich auch wieder polnischer Wein ausgeschenkt wird, und das Wein-Museum weisen auf Zeiten hin, in denen – wie noch vor 200 Jahren – ca. 1400 ha Weinland in ganz Polen bepflanzt waren und die Firma Grempler & Co im Jahr 1826 den ersten deutschen Sekt in dem damals deutschen Grünberg aus heimischen Trauben produzierte. Allerdings setzte das Klima dem Weinbau mächtig zu und brachte eine Säure in den Wein, die den Weingenuss an seine Grenzen führte. Der Sozialismus brachte den polnischen Weinbau dann praktisch völlig zum Erliegen, doch schon 1990 kam wieder Bewegung in die Branche. Heute werden hauptsächlich Riesling, Pinot Noir und Sankt Laurent angebaut, es wird aber auch weiterhin mit unterschiedlichen Rebsorten experimentiert, um schließlich die passendste Traube zum jeweiligen Terroir zu finden. Ich hatte leider noch keine Gelegenheit den Wein zu kosten, habe aber gelesen, dass gerade der Riesling wohl sehr vielversprechend sein soll!

Noch ist der Weinbau eher Hobby als Beruf, die meisten Winzer besitzen nur wenig Land und die geringen Erträge decken fast nur den Eigenbedarf, sind ab Hof zu erwerben oder nur vor Ort im hauseigenen Restaurant zu verkosten. Zusätzlich legt die Bürokratie den Weinbauern immer wieder Steine in den Weg, in dem sie unzählige Gutachten, Konzessionen, Gebühren verlangt, was die Produktion auch unnötig teurer macht und sich schließlich im Verkaufspreis niederschlägt. Die Verkaufslizenz war übrigens noch bis vor kurzem an Genehmigungen von rund 40 Ämtern geknüpft. In den letzten Jahren wurden die Gesetze aber einwenig gelockert, so das mittlerweile 30 Winzer ihren Wein auch wirklich unter die Leute bringen dürfen, Tendenz steigend.

Eine spannende Zeit steht dem polnischen Weinbau bevor – wer weiß, vielleicht werden meine Weinbücher bald überarbeitet werden müssen und der Riesling aus dem Lebuserland wird für die Weinkenner und -liebhaber auf der ganzen Weilt zum Begriff.

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Kategorie: Allgemein Ein Kommentar »

Eine Reaktion zu “Weinbau in Polen”

  1. Sabine

    Interessanater Artikel, mir war gar nicht bekannt, das es in Polen doch schon soviel Weinbau gibt. Gerade wenn der Wein noch kontrolliert angebaut wird, kann man diesen dann bedenkenlos genießen.


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